{"id":552,"date":"2022-08-22T07:00:40","date_gmt":"2022-08-22T06:00:40","guid":{"rendered":"https:\/\/anerwelten.lu\/wordpress\/?p=552"},"modified":"2023-07-16T19:06:14","modified_gmt":"2023-07-16T18:06:14","slug":"atlas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/anerwelten.lu\/wordpress\/atlas\/","title":{"rendered":"Atlas"},"content":{"rendered":"<p><strong>(Text by Luc Fran<span class=\"yKMVIe\" role=\"heading\" aria-level=\"1\">\u00e7<\/span>ois)<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als der Riese \u00fcber das Dorf herfiel, trieb sich der J\u00e4gerssohn Aaron gerade im nahen W\u00e4ldchen herum. Noch bevor aus der Ferne das tiefe \u00c4chzen her\u00fcberdrang, und der Boden unter den stampfen Schritten erzitterte, verrieten die Tiere sein Kommen. Sie hatten eine schlimmere Bedrohung als den Menschen erkannt. \u00dcberall knackte und knarrte das Geh\u00f6lz, w\u00e4hrend die gro\u00dfen wie kleinen Waldbewohner das Weite suchten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aaron hingegen hielt geradewegs auf das Dorf zu. Er musste helfen! Als Sohn eines J\u00e4gers, der ja wohl der n\u00e4chstbeste Verwandte des Kriegers war, geh\u00f6rte es sich so. Mit einem spitzen Stock bewaffnet, wollte er es angehen: Er w\u00fcrde an ihm hochsteigen, erst am Bein entlang, dann die Brust hinauf, bis ganz nach oben, um den Koloss schlie\u00dflich mit einem gut gezielten Stich zu erlegen. So lie\u00df Aaron die sch\u00fctzenden Baumkronen hinter sich und st\u00fcrmte hinein in die Staubwolke, die sich \u00fcber die platt getretenen H\u00e4user und Scheunen, das Vieh und die Menschen gelegt hatte. Die Mutter, die am Morgen noch lieblich gesungen hatte, der Vater, der an diesem Nachmittag seine Messer hatte wetzen wollen, der Schmied, die Zwillinge vom H\u00fcgel, das M\u00e4dchen mit dem pfiffigen Zopf, der Hund, der nachts immer bellte \u2026 alle waren sie tot. Achtlos niedergetrampelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cDas zahle ich dir heim!\u201d, rief Aaron dem Koloss zu. \u201cHe, warte gef\u00e4lligst!\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein einziger Schritt des Riesen kam mehreren Dutzend Hopsern des J\u00e4gerssohns gleich, sodass die Verfolgung aussichtslos war. Dennoch m\u00fchte sich Aaron ab, rief nach dem Unhold, drohte ihm und fluchte, doch reichte seine Stimme \u00fcberhaupt bis zu dessen Ohren?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Selbst nach Einbruch der Nacht, als der Koloss l\u00e4ngst nicht mehr in Sicht war, verweigerte sich Aaron jede noch so kurze Rast. Er musste dieses Monstrum zur Rechenschaft ziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Erst als der Junge hinfiel, weil das, was er im Dunkeln f\u00fcr einen Stein gehalten hatte, unter seinem Gewicht nachgab, sah er es ein: Dieser Jagd war er nicht gewachsen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cSeltsam\u201d, sagte Aaron zu sich selbst. Er tastete das rundliche Ding, wegen dem ihm das Knie blutete, vorsichtig ab. \u201cIst das \u2026\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die raue Schale, der herbe Geruch, die ovale Form, Aaron hatte davon geh\u00f6rt: Das hier, das war eine Atlas-Frucht. Man sagte ihnen nach, auf den H\u00e4uptern der Riesen zu wachsen, so hatte es jedenfalls der Schmied berichtet. Ebenso selten wie teuer waren sie, diese Fr\u00fcchte, was an ihrer Wirkung lag.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Wer eine Atlas-Frucht isst, mein Junge, der wird st\u00e4rker als jede Bestie. Der kann selbst meine Schwerter verbiegen.<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aaron hatte kein Geld und keine Ahnung, wie er so ganz allein eigentlich \u00fcberleben sollte. Aber er hatte Hunger, riesigen Hunger. So biss er nun in diese Frucht hinein, die \u00fcbler nicht schmecken k\u00f6nnte. Und er w\u00fcrgte das Fruchtfleisch herunter, w\u00e4hrend ihm der Saft vom Kinn tropfte. Oder waren es die Tr\u00e4nen, die ihn jetzt, am Rande der Ersch\u00f6pfung, \u00fcbermannten?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Schmied hatte die Wahrheit gesprochen. Als Aaron aus seinem Schlummer hochschreckte und an sich herabsah, wollte er seinen Augen erst nicht trauen: Seine Kleider hielten nur mehr mit \u00e4u\u00dferster Not zusammen und lie\u00dfen den Gro\u00dfteil seiner Arme und Beine unbedeckt \u2013 das Schuhwerk hatte es glatt entzweigesprengt. \u00dcber Nacht war er gewachsen, seiner ersten Einsch\u00e4tzung nach um mehr als das Doppelte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">So tief der Schreck \u00fcber diese pl\u00f6tzliche Ver\u00e4nderung auch sa\u00df, lie\u00df sich nicht von der Hand weisen, dass sie Aaron Zuversicht schenkte. So hartn\u00e4ckig sich die Hilflosigkeit vom Vorabend auch hielt, f\u00fchlte er sich seiner Aufgabe jetzt wenigstens ein St\u00fcck weit gewachsen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bevor der Junge aber seine Jagd auf den Riesen fortsetzte, wollte er sich ein paar M\u00fcnzen verdienen, um neue Gew\u00e4nder zu kaufen. In der n\u00e4chsten Ortschaft bot er daher seine Dienste an \u2013 als J\u00e4gerssohn war er mit der Natur ebenso vertraut wie im Umgang mit einer Vielzahl Werkzeuge. Und sei auch nur ein starker Arm vonn\u00f6ten, den konnte der \u00fcber Nacht auf Mannsgr\u00f6\u00dfe herangewachsene Bursche ebenfalls bieten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man sah ihn stutzig an, wie er mit seinen zerschlissenen Gew\u00e4ndern des Weges kam und mit glockig heller Knabenstimme sprach. Vermutlich war es eher Mitleid denn echte Not, die ihm ein paar erste Auftr\u00e4ge bescherte: Erst galt es, einen Hausputz zu bew\u00e4ltigen, anschlie\u00dfend wollte ein B\u00fccherregal neu sortiert werden, und nachdem man ihn als t\u00fcchtigen Arbeiter wahrgenommen hatte, durfte Aaron auch beim Bau einer Scheune mithelfen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Neu eingekleidet und mit einem ganz beschaulichen Taschengeld in seinem M\u00fcnzbeutel setzte Aaron seine Reise fort. Als n\u00e4chstes Ziel hatte er die nahe Stadt auserkoren, denn wie ihm die Dorfbewohner berichtet hatten, suchte man dort nach Wegen, das Riesenproblem anzugehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gab viele M\u00f6glichkeiten, sich n\u00fctzlich zu machen, doch nur eine davon sagte Aaron zu: Er wollte an vorderster Front stehen und eigenh\u00e4ndig diese Plage bek\u00e4mpfen, unter der die Menschen allerorten litten. Dass man einem Knaben wie ihm eine solch gef\u00e4hrliche Aufgabe nicht aufb\u00fcrden w\u00fcrde, war ihm bewusst, daher verschwieg Aaron kurzerhand sein Alter. \u00dcberhaupt machte er sich das Schweigen zur Gewohnheit, damit ihn auch seine hohe Stimme nicht entlarven konnte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man gab ihm eine Waffe \u2013 ein schweres Beil \u2013, unterzog ihn einer rudiment\u00e4ren Ausbildungen in den Grundlagen des Kampfes und stellte ihm jeden Tag drei Sch\u00fcsseln dampfenden Brei hin. Bereits beim ersten Bissen bemerkte Aaron die vertraute Geschmacksnote, sodass er sich im Gegensatz zu den anderen Rekruten nicht wunderte, als ihm die Glieder abermals l\u00e4nger wurden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cUm einen Riesen zu t\u00f6ten, braucht es wohl einen Riesen\u201d, sprach irgendwann jemand die Wahrheit aus, die keiner h\u00f6ren wollte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In seinem ersten Kampf trat Aaron einem zotteligen Kerl entgegen, der vor den Mauern der Stadt sein Unwesen trieb und sich am Vieh der Bauern den Wanst stopfte. Splitternackt war er, doch allein durch seine Gr\u00f6\u00dfe weckte sein Erscheinungsbild in Aaron eine tiefsitzende Furcht. Z\u00e4hlte dieser Wilde mit dem Schweineblut an Lippen und Kinn bereits als Riese?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein K\u00e4mpfer war er jedenfalls nicht, weshalb ihn Aaron, der mittlerweile nicht blo\u00df J\u00e4gerssohn und damit n\u00e4chster Verwandter des K\u00e4mpfers war, sondern selbst die Grundlagen des Kampfes beherrschte, im Zweikampf niederstrecken konnte. Ihre Auseinandersetzung hatte vor dem Stall begonnen, gefolgt von einem kurzen Zwischenspiel auf dem benachbarten Acker, bevor es mit einem Sturz gegen die Scheune zu Ende gegangen war. Die Bretter und Balken waren wie trockenes Stroh eingeknickt und unter dem Gewicht des riesenhaften Kerls zerbrochen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aaron wuchs weiter, ebenso taten es die Unruhestifter, die zu t\u00f6ten er ausgesandt wurde. Je h\u00f6her seine Gegner aufragten und je mehr sie ihn an den Riesen erinnerten, der einst seine Heimat verw\u00fcstet hatte, desto wilder st\u00fcrzte sich Aaron in den Kampf und desto unbarmherziger riss er ihnen das Leben aus dem Leib.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr seine Verdienste suchte ihn an einem schw\u00fclen Sommertag der Stadtherr auf, der selbst ebenfalls von h\u00f6herem Wuchs als gew\u00f6hnliche Menschen war. Der Mann hielt Aaron eine besonders gro\u00dfe und wohlgeformte Atlas-Frucht hin, nach welcher sich der Junge b\u00fcckte. Vorsichtig nahm er das wertvolle Geschenk entgegen, ganz darauf bedacht, es ja nicht zwischen seinen Fingerkuppen zu zerdr\u00fccken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cSagt, Krieger, findet Ihr es nicht auch verkehrt? Sprie\u00dfen aus dieser teuflischen Frucht nicht die Wurzeln dieser Plage, welcher Ihr Euch t\u00e4glich entgegenstellt?\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine geeignete Antwort wollte Aaron nicht einfallen, aber das war auch nicht n\u00f6tig, galt er doch als stumm. So verneigte er sich vor seinem Herrn und legte sich die Frucht auf die Zunge.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Laub auf den B\u00e4umen hatte sich bereits verf\u00e4rbt, als sich der Vorfall ereignete. Aaron hatte soeben eine Auseinandersetzung gegen einen, der mit Sicherheit als echter Riese galt, f\u00fcr sich entschieden, da wurde er einer Stimme gewahr. Wobei, es war mehr eine Folge von Lauten, ein jeder so unsagbar d\u00fcnn, dass es Aaron nicht l\u00e4nger gelang, den Sinn zu deuten. Dennoch verstand er, was sich ereignet hatte: Im Siegestaumel war er achtlos geworden, und nun lag dort, in seinem Fu\u00dfabdruck, ein kleiner, regloser K\u00f6rper.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da verstand Aaron, dass die Menschen auch in ihm einen Riesen erkannten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Entschuldigen wollte er sich f\u00fcr das Versehen, schlie\u00dflich hatte er niemandem ein Leid zuf\u00fcgen wollen. Doch wie lie\u00df sich der Tod eines Menschen als Versehen abtun? Die Sorgen hinter Aarons Stirn mehrten sich, eine jede davon wollte hinaus. Als er jedoch den Mund \u00f6ffnete, entwich blo\u00df ein anhaltender Klagelaut. Er hatte das Sprechen verlernt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Scham und Verzweiflung trieben Aaron zur Flucht \u2013 er hatte seinen Herrn wie auch sich selbst entt\u00e4uscht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Drei Tage und drei N\u00e4chte irrte er allein umher und m\u00fchte sich an der Frage ab, was ihm jetzt zu tun blieb. Hatte er \u00fcberhaupt noch ein Recht darauf, Jagd auf die Riesen zu machen, wo er selbst dazu z\u00e4hlte?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Frage zu beantworten, war nicht leicht. Es erforderte Zeit zum Nachdenken. Zeit, die Aaron nicht gew\u00e4hrt wurde. Vermutlich hatte man den Stadtherrn zwischenzeitlich dar\u00fcber in Kenntnis gesetzt, dass sein einst so t\u00fcchtiger Diener au\u00dfer Kontrolle geraten war, denn am vierten Tag tauchte einer auf, der Aaron nach dem Leben trachtete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cSoll das mein Schicksal sein? Mich schlachten zu lassen?\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nachdem er dem Angreifer nach langem Kampf den Sch\u00e4del gespalten hatte, sank Aaron zusammen und umfasste mit blutbeschmierten H\u00e4nden seinen Kopf. Er wusste weder ein noch aus. So viel er die letzten Monate auch gewachsen war, und so sehr sich seine Kr\u00e4fte gemehrt hatten, f\u00fchlte er sich genau wie zu Beginn seiner Reise: Wie ein Kind. Ein entsetzlich hilfloses Kind, dessen jeder Muskel schmerzte, und das von entsetzlichem Hunger geplagt wurde. Letzten Endes handhabte er es genau wie damals, n\u00e4mlich indem er sich satt fra\u00df \u2013 ob nun die Atlas-Frucht oder Atlas selbst seinen Hunger stillte, wo war der Unterschied? \u2013 und wider jede Wahrscheinlichkeit den Blick nach vorn richtete.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Als ihn eine Woche sp\u00e4ter wieder der Hunger qu\u00e4lte, kreuzte Aaron den Weg einer Riesin, der es \u00e4hnlich erging. Die Frau kniete am Rand eines Dorfes und pfl\u00fcckte sich die s\u00e4ttigenden Menschlein von der Stra\u00dfe, aus den H\u00e4usern und von den Ackern \u2013 M\u00e4nner wie Frauen, Erwachsene wie Kinder. Zum Sprechen nicht l\u00e4nger f\u00e4hig, gab sie Aaron mit einem Handzeichen zu verstehen, dass sie zum Teilen gewillt war. Eine schlichte Geste, doch l\u00f6ste sie in Aaron unsagbar viel aus. Nachdem er so viele von ihnen get\u00f6tet hatte, begr\u00fc\u00dften ihn die Riesen dennoch als einen der ihren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aaron setzte sich zur Riesin und legte seine Arme um sie. Mit seinen Fingern tastete er sich zu ihrem Hals voran und verharrte in dieser Position. Er horchte in sich hinein, suchte nach Zweifeln. Was er fand, war jedoch Gewissheit: \u201cIch bin nicht wie du!\u201d So dr\u00fcckte er nun zu und brach der Frau das Genick. Anschlie\u00dfend bohrte er seine Z\u00e4hne in ihr Fleisch und riss ihr einen Fetzen aus dem Hals. Niemals w\u00fcrde er seinen Hunger an den kleinen Kreaturen stillen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der einen Welt war er entwachsen, zur anderen wollte er nicht geh\u00f6ren. Was verhie\u00dft das nun f\u00fcr ihn?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">V\u00f6llig ratlos betrachtete er die winzigen Menschlein zu seinen F\u00fc\u00dfen, die er soeben vor dem Schlimmsten bewahrt hatte. Sicher gab es auch unter ihnen welche, die nach Rache d\u00fcrsteten. Und wom\u00f6glich fasste ja einer einen \u00e4hnlichen Plan wie er selbst damals. Oder war l\u00e4ngst einer im Begriff, mit einem spitzen Stock bewaffnet an ihm hochzuklettern, um ihn mit einem gut gezielten Stich zu erledigen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Warum warten! Er b\u00fcckte sich hinab und griff behutsam nach einem Knaben, der ungef\u00e4hr in seinem Alter war. Den setzte er sich auf die Schulter und wartete darauf, dass der Bursche zur Tat schritt. Doch so lange er auch wartete, nichts geschah.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cDu \u2026 du willst uns nichts zuleide tun, oder? Du hast uns doch geholfen, stimmt\u2019s?\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Aarons Kehle schwoll ein Klagelaut heran.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cAber du bist traurig, ich seh\u2019s dir an.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Traurig, ja. Traurig und m\u00fcde, die H\u00e4nde seit Wochen blutig, zitterten sie jetzt vor seinen Augen. Und einsam. So f\u00fcrchterlich einsam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cVielleicht mache ich es mir zu einfach, aber du bist stark und dir scheint an deinen Br\u00fcdern und Schwestern nicht viel zu liegen. Du k\u00f6nntest uns Menschen besch\u00fctzen.\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aaron deutete mit dem Finger auf seine Fu\u00dfsohle. Das Klagen wollte hinaus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u201cWarte \u2026 ja, ich verstehe. Deshalb hast du mich hochgeholt: Du brauchst jemanden, der dir hilft, richtig? Einen von uns Menschen, f\u00fcr dich die Augen offen h\u00e4lt, damit du nicht irgendwo drauftrittst. Oh weh \u2026 ist auch ganz sch\u00f6n hoch hier!\u201d Die Stimme des Jungen wurde lauter und klarer verst\u00e4ndlich, er hatte sich wohl bis zu Aarons Ohr hochgearbeitet. \u201cWei\u00dft du, irgendwie habe ich ein gutes Gef\u00fchl bei der Sache. Als k\u00f6nnte ich mit deiner Hilfe richtig was bewirken \u2013 ein Abenteuer erleben, wie es in meinem Alter ganz bestimmt noch keiner erlebt hat.\u201c Ein hohes, glucksendes Lachen verlor sich in Aarons Ohr. \u201eAlso los, gro\u00dfer Freund, gehen wir!\u201d<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aaron gehorchte und ging mit schweren, stampfenden Schritten dorthin, wo ihn der Junge hinschickte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Text by Luc Fran\u00e7ois) Als der Riese \u00fcber das Dorf herfiel, trieb sich der J\u00e4gerssohn Aaron gerade im nahen W\u00e4ldchen herum. Noch bevor aus der Ferne das tiefe \u00c4chzen her\u00fcberdrang, und der Boden unter den stampfen Schritten erzitterte, verrieten die Tiere sein Kommen. 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